
Im Eingangsbereich des Rinpung Dzong in Paro zeigt uns Karma eine Wandmalerei, die einem in Bhutan immer wieder begegnet: die „Vier harmonischen Freunde” (Thuenpa Puen Zhi) – Elefant, Affe, Hase und Vogel, übereinander an einem Fruchtbaum. Die Geschichte stammt aus den Jataka-Erzählungen über Buddhas frühere Leben; der Vogel bringt den Samen, die anderen sorgen dafür, dass er wächst und geschützt wird, und als der Baum trägt, kommen sie nur gemeinsam an die Früchte. Für Karma ist das Bild vor allem ein Ausdruck von Teamarbeit.
Traditionell reicht seine Bedeutung noch weiter: Es steht für Harmonie, gegenseitige Abhängigkeit und Zusammenarbeit – und, das ist der eigentliche Kern der Erzählung, für den Respekt vor dem Alter: Die Tiere ordnen sich danach, wer den Baum am längsten kennt, und der Jüngere trägt den Älteren. Man findet die Darstellung in Klöstern und Dzongs, in öffentlichen Gebäuden und auch in Privathäusern. Uns beeindruckt, wie stark ein Wert hier sichtbar gemacht wird – und wie beharrlich das Bild, überall gegenwärtig, immer wieder an seine Bedeutung erinnert.
Für uns ist dieses Bild überraschend vertraut. Karma nennt es Teamarbeit; uns beschäftigt darin besonders die verteilte Verantwortung – unterschiedliche Fähigkeiten, die ineinandergreifen, und ein Ergebnis, das keiner allein erreichen könnte. Das ist unsere Brücke von einer bhutanischen Erzählung zu der Frage, die uns in unserer Arbeit begleitet: Wie entsteht etwas Tragfähiges, wenn Verantwortung geteilt wird?