
Thimphu – die einzige Hauptstadt der Welt ohne Ampeln! Es ist Festival, Urlaubszeit, Ausnahmezustand für die Einheimischen und die Touristensaison auf einem Höhepunkt. Kein Hupen, nur wenn wirklich nötig – und das als Nachbarstaat von Indien! Gespannt stehen wir am berühmten Kreisel inmitten von Thimphu und beobachten das Geschehen.
Vor vielen Jahren haben wir über die Verkehrsexperimente in Holland geschrieben – Ampeln weg, Selbstverantwortung zurück – und die «erstaunliche» Erkenntnis: weniger Unfälle, Rücksicht und Aufmerksamkeit haben sich gleichzeitig stark gesteigert. Heute wissen wir, die Ansätze haben sich bewährt und «shared space» wird als Konzept immer weiter verfeinert und umgesetzt. Ergänzt durch KI und die modernen sensorischen Technologien, verfolgen wir die Fortschritte seit Jahren. Die einfachen Grundprinzipien dahinter: Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer; Augenkontakt, die Verkehrsteilnehmer verständigen sich durch Blicke und gegenseitige Rücksichtnahme; Verhaltensänderung, den Verkehr durch weniger künstliche Sicherheit vorsichtiger und flüssiger machen.
Zurück an unsere Kreuzung: Mit eleganter Handbewegung beobachtet und regelt die Verkehrslotsin das Geschehen. Keine Hektik ist auszumachen und plötzlich steht ein zweiter Lotse neben der Insel und schiebt ganz sanft einen Leitkegel in die Mitte der Strasse – richtig, in der Ausfahrt, wo sich alle Taxis einreihen, hat sich ein kleiner Stau gebildet, der sich gleich in den Kreisel auswirken wird! Nein, doch nicht, durch die kleine Massnahme, ist die Sache in wenigen Sekunden gelöst und der Leitkegel ist schon wieder weg. Ohne Worte, mit einem kurzen Blickkontakt und eingespieltem Verständnis hat sich die Zusammenarbeit geklärt und die Verkehrssituation geregelt!
Es scheint Verkehrschaos zu sein, aber keiner merkt es – dank aller Beteiligten, die sich gemeinsam der Aufgabe verschreiben und diese der Situation angemessen und flexibel wahrnehmen. Manchmal sind es die «Augen»blicke, die Zusammenarbeit in den Flow bringen!